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BAKTERIEN GEFASST!

Die Spur der Bakterien führte uns bis nach Münster. Direkt am Bürgerhaus erblickten wir das schimmernde Rot von Bazillus longus. Bazillus longus war noch länger geworden. Anscheinend würde es zur endgültigen Resistenz nicht mehr lange dauern. Von Bazillus rotodondus maximus fehlte hingegen jede Spur. Uns war klar: Wenn, dann müssten wir beide Bakterien auf einmal fangen. Ratlos, ohne eine passende Fangstrategie zogen wir uns zu Familie Bösing zurück in unser Hauptquartier. Erholten uns bei einem leckeren Abendessen und entwickelten Pläne für den nächsten Tag. Dieser sollte der entscheidende werden und unsere letzte Chance sein. Denn bei der Länge von Bazillus longus und der vermuteten Üppigkeit von Bazillus rotodondus maximus würden die beiden Bakterien vermutlich bald einen passenden Brunnen suchen, um dort den Akt des Resistenzaustauschs durchzuführen, sofern es nicht schon zu spät war. Eine neue Gruppe resistenter Nachkommen würde dann die Weltgesundheit bedrohen und wäre durch kein Antibiotika zu stoppen. Selbst Gehilfe Heinrich war die missliche Lage nun deutlich bewusst.

Zentral in der Innenstadt hatte die Partei der Mitte ihren Wahlkampfstand. Slogans wie Sicherheit, Maß und Mitte, sowie Innovation, so war uns allen klar, würden die beiden Bakterien, insbesondere Bazillus rotodondus maximus anlocken, da sie selbst für innovative Resistenzbildung stehen. Der Ort der epischen finalen Schlacht stand also fest und wir gingen nach einer gemütlichen Runde Ligretto ins Bett.

Frisch gestärkt durch ein unvorstellbar auswahlreiches Frühstück zogen wir los mit unserer Mission fest vor Augen. Nicht nur wollten wir der Globalen Gesundheit helfen die Bakterien wieder in Schach zu bringen, sondern Münster würde auch unser letzter Tag sein. Wir hatten Glück. Wie erwartet trafen wir auf die Bakterien direkt am CDU Stand, weshalb wir unsere Bühne direkt daneben aufschlugen (oder vielleicht auch deshalb, weil die Stadt zwei Genehmigungen vergeben hatte?). Eine CDU Frau wollte wohl auch ein bisschen Wahlkampf betreiben…zumindest rettete sie unsere vom Wind erfasste Bühnenwand heldenhaft vor dem Umstürzen als diese zu kippen drohte.

Wir setzten nun alles daran die Biester zu fangen. Dabei schreckten wir vor keinen Mühen zurück. Eine Horde Corona-Leugner die ihre Kundgebung hatten bot sich an als weiteres Lockmittel für die Bakterien, da diese ja auch nicht an resistente Keime glauben und so das perfekte Opfer darstellten für Bakterien – so ganz ohne Abstand und Maske. Außerdem half uns ein Security Typ eine Menge Räder mit seinem Allzweck Schlüssel umzustellen, sodass die Falle perfekt war. Wir spielten fünf Aufführungen und hatten dabei das beste Publikum der ganzen Tour. Ein toller Abschluss auch mit vielen Freunden und Bekannten als Zuschauer. Wir gaben nochmal alles und am Ende: Erledigten wir endlich die Bakterien! Aaaaber…wer weiß. Vielleicht haben die Beiden ja schon Nachkommen, die irgendwo da draußen als resistente Erreger unterwegs sind! Der Kampf dagegen ist also noch lange nicht vorbei.

Irgendwann hieß es für uns Abschied nehmen. Traurig. Aber wir wussten ja, dass unsere kleine Gemeinschaft nur für diese zwei Wochen bestimmt war. Die Wege trennten sich. Ein Teil blieb in Münster, die andere Hälfte fuhr noch nach Bielefeld zum Ausladen. Natürlich in strömendem Regen, passend zur Stimmung dieser letzten Stunden.

Nun bleibt uns nur noch Danke zu sagen an alle Gastgeber und Organisatoren. Es hat echt Spaß gemacht, auch wenn es manchmal ziemlich anstrengend war. Und last but not least wollen wir nun auch unsere Schauspieler ehren:

Theresa und Paula erhalten feierlich das „Schluck&weg Bronze Abzeichen“ (erste Tournee)

Manuela und Davina erhalten feierlich das „Schluck&weg Silber Abzeichen“ (zweite Tournee)

Colin wird feierlich zum „Schluck&weg Gau“erhoben (vierte Tournee) und

Otto erhält die höchstmögliche Auszeichnung des „Schluck&weg Super Gau“ (fünfte Tournee) – er hat sich hiermit offiziell qualifiziert für „Kraut&Rüben“

Tschüss, bis dann:)

Kälteeinbruch

Wo waren wir Gestern und welcher Tag ist eigentlich heute? Verwirrt sitzen wir in Manus Wohnung bei Tee und Keksen und hängen völlig platt auf Sofa und Boden. Der plötzliche Kälteeinbruch hat uns bei den Auftritten heute frieren lassen.

Gestern erst traten wir in Herborn auf und schon jetzt sind wir verwirrt ob das wirklich Gestern gewesen sein kann oder nicht doch vor einer Woche schon? Herborn zeigte sich eher von der ruhigen beschaulichen Seite mit seiner schönen Altstadt, aber eher wenigen Bummlern. Colin sagt: Herborn war so mit der „verwunschenste“ Ort an dem wir gespielt haben, aufgrund der Sonne, des Ambientes und des Brunnens…und aufgrund der Hochzeit. Darauf Manu: ich weiß nicht ob die geweint haben, weil wir ihre Hochzeit so arg gecrashed haben (Eine Hochzeit fand direkt neben unserem Auftrittsort statt und wir hatten gerade da angefangen zu schreien, trommeln und lärmen, als die Hochzeitsgesellschaft vor der Türe des Standesamtes einer Sängerin lauschen wollte). Von unseren Gastgebern wurden wir super mit Kräuterbutter und veganem Kuchen versorgt und bevor wir abreisten badeten unsere Bakterien noch im Brunnen, was die Kids aus dem Dorf super lustig fanden. Sie verwechselten Bazillus rotodondus maximus mit einem Frosch, weshalb er ihnen eine lange Nase zeigte – zurecht! Auch andere Touristen fotografierten dieses ungewöhnliche Spektakel. Wir traten nur dreimal auf, was vor allem daran lag, dass Herborn zwischen unseren zwei längsten Etappen (200 und 300km) lag.

Mit dem letzten Tropfen Diesel erreichten wir Steinfurt, wo wir bei Ulrike und Frederik unterkamen, die uns mit einem leckeren Abendessen und einer Unterkunft versorgten. Ihr Hund Bella freute sich über den ganzen Trubel im Haus und schleckte uns erst mal allen die Füße ab. Bei unseren Auftritten in Steinfurt gab es ein paar kleine Zwischenfälle. Die Fabrik fiel um, die Box unserer Musikerin gab unbegründet immer wieder den Geist auf und der kalte Wind wehte unsere Flyer durch die Straße. Aber das Publikum war tapfer. So haben wir das selten erlebt, dass die Zuschauer wirklich von Anfang bis Ende dabei waren und auch danach noch begeistert mit uns redeten. Problematisch war nur die Toilettensuche. Kein Café wollte uns Asyl gewähren mit unterschiedlichsten Ausreden und wir fragten uns daher von Tür zu Tür.

Bevor wir nun also bei Manu Zuhause in unserem letzten Ort Münster landeten, war noch die Überlegung gewesen bouldern zu gehen. Unsere Entscheidungsfreudigkeit reichte sogar soweit, dass wir bis vor die Halle fuhren um dann erst festzustellen, dass wir wohl doch lieber einen Tee und Ruhe brauchten.

muckende Mücken

Die Nacht in Ellwangen war geprägt von Zweierlei. Nach langer Zeit fielen endlich erste Tropen Regen und ein Gewitter zog auf dass den Nachthimmel mit Blitzen erleuchtete. Außerdem schliefen wir unruhig. In unseren Zimmern waren Mücken. Stechmücken! Und um dem aufdringlichen Sirren zu entgehen mussten wir uns von Seite zu Seite drehen oder die Decke über den Kopf ziehen.

In Ellwangen traten wir, wie auch schon ganz zu Beginn der Tour, wieder an einer Schule auf. Dieses Mal allerdings überdacht aufgrund des Wetterumschwungs. Unsere schwarzen Bühnenelemente passten haarscharf unter das Vordach der Schule, sodass wir hier eine besondere Konstruktion errichteten, da unser Wagen nicht als Stütze wie sonst dienen konnte. Immer mal wieder blähten sich die Wände aus Stoff gefährlich stark im Wind auf die wie Segel zu wirken schienen. Umfallen konnte die Konstruktion jedoch nicht und das tat sie auch nicht. Anders als bei unserer letzten Schule diskutierten wir hier nach den Auftritten noch ausführlicher über das Stück und Thema. Die meisten Klassen waren eher zurückhaltend, aber dennoch hatten wir gute Gespräche.

Nach einem schnellen Zusammenräumen machten wir uns auf den Weg nach Wetzlar und fuhren und fuhren und fuhren… Unsere sowieso schon längste Strecke der gesamten Tour war gezeichnet durch Staus. Grund war wohl ein großer Unfall gewesen, der zu einer Vollsperrung der Autobahn und einer Verstopfung der Landstraßen führte, in denen wir mitten drin steckten.

Nach endlos scheinenden Stunden Fahrt kamen wir in unserer Jugendherberge an und fanden glücklicherweise tatsächlich auf Anhieb einen uns empfohlenen Italiener.

Die Zeit vergeht wie der Wind

Zack, und schon sind wir in Ellwangen. Es ist unglaublich wie schnell und doch gleichzeitig langsam die Zeit auf dieser Tournee vergeht. Zwei weitere Spieltage sind um. Einer davon auf dem großen Odeonsplatz in München und der andere heute in Augsburg. Mittlerweile haben wir uns an das Tourleben gewöhnt und kennen das Stück in und auswendig. Man könnte fast schon sagen, dass sich ein gewisser Alltag einstellt und trotzdem sind wir Abends meist richtig platt, weil es doch anstrengender ist als man so denkt. Fünf Mal hintereinander diese zwanzig Minuten voller Konzentration und Elan durchzuhalten braucht schon Kraft. Auch die Masken tragen ihren Teil dazu bei, weil die Konzentration besonders gefordert ist. Noch immer ist es ein bisschen komisch nur einen sehr kleinen Teil der Bühne zu sehen und sich mehr oder weniger blind zurechtzufinden. Es passiert uns immer noch täglich, dass wir gegen unseren Wagen laufen oder in eine andere Person hineinrennen. Aber naja, vielleicht lacht das Publikum dann ja wenigstens.

Der Auftritt in München war so eine Sache. Die Regeln, die wir zu beachten hatten waren die strengsten, die wir auf der gesamten Tour hatten und das Ganze war schon ein wenig absurd. Wir sollten einen Ausgang und Eingang zu unseren Zuschauerbänken gewährleisten, was bei einem Straßentheater wo die meisten Menschen nur spontan vorbei kommen einfach nicht umsetzbar ist oder auch einen sechs Liter Feuerlöscher bereithalten. Für unsere Veranstalter die Genehmigung ebenfalls ein langes hin und her. Die Bühne musste so penibel gezeichnet werden, bis am Ende sogar die einzelnen Desinfektionsspender eingezeichnet waren. Aber hey, wir haben auch das überlebt;)

Die Ankunft in Augsburg gestaltete sich ziemlich lustig. Wir kamen Abends schwer bepackt vor dem Weltladen an und klopften an die Scheibe. Im Inneren des Ladens brannte Licht, die Türe war aus Glas und wir konnten einige beschäftigte Menschen sehen. Unser erstes Klopfen wurde ignoriert. Wir klopften lauter. Eine Frau näherte sich mit einem Schlüssel und verschloss die Tür, anstatt zu öffnen. Wir waren verwirrt und klopften erneut. Irgendwann wurde die Tür geöffnet. Wir begrüßten den Herrn der öffnete mit den Worten: Hallo, wir sind die Theatergruppe und schlafen heute Nacht hier. – die Antwort darauf war ein entsetztes: Also hier sicherlich nicht! Wir mussten lachen. Es stellte sich später heraus, dass wir auf ahnungslose Mitarbeiter getroffen waren, die überhaupt nichts von uns wussten und zusätzlich hatten wir uns noch in der Tür geirrt. Als Jonas der Organisator dann auftauchte konnten wir uns endlich sortieren und verbrachten noch einen schönen Abend gemeinsam in Augsburgs Innenstadt.

Mehr Zuschauer als sonst schauten sich in Augsburg das gesamte Stück an und auch viele Freunde und Bekannte schauten bei uns vorbei. Es wurde literweise Kaffee vernichtet und drei Grundschulkinder saßen nach einem der Stücke noch ganz wichtig mit einem Flyer von uns in den Bankreihen und lasen sich aufmerksam die Infos zum Antibiotikaresistenzen durch. Ein herrlich süßer Anblick!

NEUE SPUR!

Nach einer langen Zeit der Ungewissheit konnten der Gehilfe Heinrich und die Globale Gesundheit die Spur der entlaufenen Bakterien wieder aufnehmen. Einige Beweisfotos der Beiden aus einer Jugendherberge in Wiesbaden konnten die Öffentlichkeit erreichen. Auf den Fotos sind die beiden Bakterien beim Training erwischt worden. Schlimmstes lässt sich also annehmen. Die Bakterien sind mit hoher Wahrscheinlichkeit um einiges resistenter und stärker geworden. Vermutlich aufgrund der zu Beginn verabreichten Menge an Antibiotika. Es ist daher nicht klar was noch helfen kann um die Bakterien wieder in Schach zu bekommen. Aus genannten Gründen wird die Gefährdungsstufe auf 6 heraufgesetzt!

Eine weiterer Hinweis liefert das Foto der Polizei. Bazillus longus und Bazillus rotundus maximus wurden auf der Autobahn zwischen München und Augsburg geblitzt. Die Spur ist noch heiß und sowohl Theatergruppe als auch die Globale Gesundheit und Heinrich sind ihnen dicht auf den Fersen aufgrund dieses Deliktes.

Ein paar Fragen an die Gruppe

Hinter uns liegt ein wunderschönes Wochenende. Nach unserem Auftritt in Ulm schlenderten wir Abends bei der Kulturnacht von Musik zu Museum und Kunstausstellung über Improkünstler bis wir beim Open Air Konzert den Abend mit tanzen beendeten. Nach einem sonntäglichen Brunch und einem Sprung in die Iller zogen wir weiter nach München, wo wir nun wieder in einem Gesundheitsladen unser Lager aufgeschlagen haben.

Heute beantwortet die Gruppe auch mal ein paar Fragen zum Tournee Leben, um euch diesen Alltag auf Achse bildlicher vorstellbar zu machen. Was gefällt uns hier, was hat uns gereizt mitzumachen? Was ist vielleicht auch schwer…Die Fragen sind wild gemischt und sollen einfach ein kleiner Einblick sein.

Was hat dich motiviert mit auf Tournee zu fahren?

  • Beschäftigen mit einem wichtigen Thema, Freude am Theater spielen, nette Menschen kennenlernen, sich für etwas Gutes einsetzen, Denkanstöße für Menschen bieten, freie Kunst, „Life on the road“, ein gutes Projekt mit Gleichgesinnten, die Posteo Mails haben mich angesprochen;)

Welche Corona-Regel auf der Tour ist am schwersten umzusetzen?

  • Kontaktlisten – niemand trägt sich da ein, Abstand zu den Zuschauern (beim davor und danach mit den Menschen reden)

Welcher Spielort war der Beste?

  • Ulm und Heidelberg oder Hamm mit den Schülern

Wie viele Kilometer seid ihr schon gefahren?

  • Wir haben heute die 1000km geknackt!

Wie beschäftigst du dich auf den langen Autofahrten?

  • Auto fahren, schlafen, dösen, Armbändchen knüpfen, lesen, Musik hören, Emails checken, aus dem Fenster gucken, unsere nächsten Auftritte und Übernachtungen managen

Welche Personen, die ihr auf der Tour getroffen habt, sind noch im Gedächtnis geblieben?

  • Der, der uns einen Oskar geben wollte, Spontanello der Improkünstler, Armin unser Gastgeber, eine Schülerin die meinte es sei ein Stück für ihre kleine Schwester, der, der mir die Pulle wegnehmen wollte mitten im Spiel, Markus und sein nicht vorhandener Milchreis, die, die mit uns wild abtanzen wollten bei der Kulturnacht, der komische Künstler in Heidelberg gegenüber von uns, diese Biergarten Verteidigerin in Köln, und der der uns zugelabert hat auf seinem Moped

Habt ihr einen Chef?

  • Was?! Nein!…Claudia wahrscheinlich?, wir unterhalten uns viel über Anarchie und co., im Stück: die Globale Gesundheit, wir benutzen die Schwarmintelligenz – die ist das Beschde

In welcher Nacht hast du am schlechtesten geschlafen und warum?

  • Erste Nacht (die ersten drei Nächte), weil das Bett so gestunken hat nach so einem komischen Waschmittel, oder wegen der Aufregung und Umgewöhnung, In Bielefeld, weil ich dachte wir kriegen das nie hin, in Aachen, weils da so laut und hell war

Kocht ihr auch mal selbst?

  • Ja, einmal, weil es so einladend war, also wenns einladend ist immer gerne, aber wir werden total oft eingeladen

Was war deine lieblings Abendbeschäftigung während der Tour?

  • Tanzen, ja tanzen, tanzen, Dixit spielen

Was genießt du an der Tour?

  • Die Gruppe und die Leute, das gute Wetter, die netten Gastgeber, die gute Verpflegung, die Abwechslung von Spielen und Niederlassen, das Theaterspielen und den Applaus, am meisten wenn die Kinder lachen, mal ganz weg vom Alltag zuhause zu sein

Was findest du anstrengend am Tourleben?

  • Auf und abbauen, rastlos sein durch das ständige Weiterziehen

Hast du ein Lieblingszitat aus dem Stück?

  • Bakterien – mit meinen Arterien ist alles in Ordnung, Residenzen, Resischdenzen, Tschüss Vernunft, nach Minden, Heiiinrich Heeeeeinrich

Was geht euch vor einer Aufführung durch den Kopf?

  • Nichts, nicht zu früh nach Indien oder zum Forscher schicken, hoffentlich reißt die Maske nicht, mal sehen ob schon Zuschauer*innen da sind, wo kann man überall laufen ohne anzustoßen, wie und wo spielt man am besten auf der Bühne, weil das ja immer überall anders ist

Was nimmst du für dich persönlich mit aus der ersten Woche Tournee?

  • Dass Maskentheater wirken kann, aber ganz anders als Theater mit Sprechen, dass Straßentheater eine ganz andere Form von Theater ist

Was war unerwartet in der vergangenen Woche?

  • Das Wetter, dass es so gut war; dass es keine einzige Coronakontrolle gab, dass Corona zwar präsent war, aber nicht alles vermiest hat, dass wir auch nach einer Woche noch so viel an den Szenen feilen, die Sittiche in Wiesbaden die plötzlich in den Bäumen saßen, dass wir doch so viel Kontakt zu den Gastgebern hatten – ich dachte, dass es distanzierter wird

Sind zwei Wochen genug?

  • Ja, ja, ja, reicht. Ist ja alles Friede Freunde Eierkuchen, aber reicht dann, vielleicht mit zwei Tagen frei haben würde noch mehr gehen?

In welche Städte würdet ihr am liebsten Mal fahren?

  • Ostsee, nach Kiel oder sowas, Potsdam, Stuttgart, in den Osten, Leipzig, Bielefeld!!!, Ruhrgebiet warn wir auch noch nie

Was müsste nächstes Mal oder auch nächste Woche anders laufen?

  • Die Auswahl der Plätze und die Zeiten in den Programmheften sollten stimmen, eigentlich würden doch auch Städte nah beieinander reichen, dass man nicht immer so weit fährt…weil dieser Verbrauch an Sprit und Energie, meiner Meinung nach könnte das Publikum noch mehr nach einem Stück auf uns zukommen, man muss ja nichts krasses sagen, einfach ein bisschen Interesse, eine Gitarre mitnehmen

Tag der Superlative

Das romantische Schloss Heidelberg leuchtete schon in der Morgensonne als wir mit unserem Tourbus den Neckar überquerten um unseren Platz in der längsten Fußgängerzone Europas zu finden. Es war ein sehr schöner Tag, nicht zu warm, aber trotzdem sonnig und die Altstadt mit ihren vielen Gassen und Läden pulsierte voller Leben. Hier in Heidelberg schienen die Zuschauer irgendwie aufmerksamer als sonst und wir hatten das Gefühl, als ob die meisten das Stück besser verstanden. Obwohl wir den Platz nur für wenige Stunden bespielen konnten, schafften wir vier Durchgänge. Wir takteten die Durchgänge eng und gingen erst nach dem Abbau unsere Fallafelteller im Restaurant verspeißen.

Die Fahrt nach Ulm führte uns durch die schöne Landschaft der Schwäbischen Alb und vorbei an allerlei lokalen Sehenswürdigkeiten. So fuhren wir unter den größten selbst-leuchtenden Buchstaben der Welt hindurch, kamen an der europäischen Wasserscheide vorbei, wo sich entscheidet, ob das Wasser in das Schwarze Meer oder die Ostsee fließt oder erblickten den Kirchturm vom Ulmer Münster, welcher der höchste Kirchturm der Welt ist. Auch der schönste Autobahnabschnitt Deutschlands führte ganz in der Nähe vorbei.

Die Einrichtung in unserer Pension ist abenteuerlich. Einen funktionierenden Wasserhahn in der Küche gibt es nicht und auch ein zweiter Tisch, den wir dorthin tragen wollten, passte nicht durch die Tür, sodass wir ihn in schwindelerregender Höhe des vierten Stocks über den Balkon hieften und so ins andere Zimmer schafften.

Ein kleiner Spaziergang zu Rewe musste auch sein, da wir noch nicht ganz an das Selbstversorgerleben gewöhnt sind, aber hier in der Pension für uns selbst kochen müssen. So fehlte uns noch ein bisschen was fürs Frühstück. Auf dem Weg erspähten wir unser Theater auf einem Plakat am Straßenrand das den Green Parking Day ankündigte und wir fühlten uns gleich um ein Vielfaches wichtiger😉

Ein imaginärer Oskar für uns

Wiesbaden machte Spaß zum Spielen. Deutlich mehr Zuschauer als auf unserer bisherigen Tour blieben stehen und zeigten die unterschiedlichsten Reaktionen auf unser Stück. Da war eine Frau dabei, die meinte das Ganze Stück gesehen zu haben, aber immer noch dachte es ginge um Corona. Da war ein Mann, der mitspielen wollte und Colin mitten im Stück die Antibiotikaflasche aus der Hand nahm, weswegen das Stück kurz unterbrochen wurde und da war die Feuerwehr, die direkt vor unserer Nase mit Tatütata auf den Platz gerast kam. Auch ein Kind war dabei, das in lautes weinen einfiel als Colin mit seinem Bakterienkostüm und Maske die Bühne betrat. Auch das größte Lob das man sich vorstellen kann wurde uns hier zuteil. So erklärte uns ein Mann, dass hier ein Oskar hergehört und dass er es unglaublich wichtig und toll findet, dass wir auf der Straße zum Denken anregen wollen und nicht nur die Leute verblöden wie es seiner Meinung nach viele Fernsehsendungen tun.

Es lief richtig rund und so spielten wir fünf mal, bevor wir uns durch den Berufsverkehr nach Heidelberg aufmachten. Das letzte Stück Strecke fuhren wir ab von der Autobahn und kurvten durch die schönen Wälder des Odenwaldes, bis wir schließlich bei unserem Apartment ankamen. Mitten am Hang und ganz außerhalb der Stadt liegt das. Ganz anders als so mitten in der Stadt die letzten Tage mit ganz viel grün drum herum.

Abends durften wir für uns selbst lecker kochen und nach einer anschließenden Runde Dixit war es dann auch schon wieder Zeit fürs Bett.

INDIEN 18.09.

An die Globale Gesundheit

Irgendwo im Überall 9

83628 Welt

Liebe Globale Gesundheit,

ich bin mittlerweile gut in Indien angekommen. Die Gerüche und die Musik sind sehr interessant und exotisch, aber diese Hitze ist unerträglich! Ich bin auch an ein paar ziemlich dreckigen Flüssen vorbeigekommen. Das ist eine ekelige Brühe…ich will gar nicht wissen was da alles drin schwimmt. Kann sein, dass das aus einer der großen Fabriken hier rauskam, damit machen bestimmt ein paar Leute sehr viel Geld. Aber davon ist hier in den Straßen nichts zu sehen. Im Gegenteil, die sind so arm, dass sie sich nicht einmal genug Antibiotika für eine richtige Therapie leisten können.

So, dass waren so meine Beobachtungen…aber was sollte ich hier eigentlich nochmal? Warum hattest du mich hier hergeschickt?

Bitte um eine schnelle Rückmeldung per Telegramm!

Grüße Heinrich dein Gehilfe

Papageien in der Stadt

In Aachen spielten wir auf einer noch kleineren Bühne als in Köln. So klein, dass wir sogar unseren Anhänger abkoppeln mussten, der uns sonst gemeinsam mit dem Wagen als Hintergrund dient. Eng war es trotzdem und so schrammten wir beim Spielen immer mal wieder an der angrenzenden Kirche vorbei, was aber von uns jedoch gekonnt ignoriert und überspielt wurde. Der Platz grenzte an die Fußgängerzone und immer mal wieder bleiben die Leute stehen, um sich darüber zu unterhalten, was denn wohl diese grüne und rote Figur darstellen könnte.

Früh mussten wir wieder zusammenpacken, da unsere Strecke ein klein wenig weiter als sonst war. Bis nach Wiesbaden düsten wir auf der Autobahn dahin und kamen pünktlich zum Abendessen in der Jugendherberge an. Da es noch recht früh am Abend war, wurde nach dem Essen noch ein bisschen Tischtennis in allen möglichen Varianten mit Einschränkungen gespielt. Da hüpften wir um die Tischtennisplatte herum und versuchten mit links und rechts zu spielen, je nachdem mit welcher Hand man eben ungeübter war. Ein anschließender Spaziergang als die Sonne dann untergegangen war führte uns noch an unserem nächsten Auftrittsort, an der angeblich größten Kuckucksuhr und am Hessischen Landtag vorbei. Wir wunderten uns über Bäume voller Papageien mitten in der Innenstadt und turnten im Kurpark noch ein bisschen durch das Gras.

Jetzt ist schon wieder ein neuer Tag angebrochen. Wir sitzen draußen, reparieren noch ein paar Requisiten oder zeichnen Plakate zum Thema, bis wir dann gleich endlich loslegen können. Ausgeruht und frisch gestärkt durch eine Joggrunde und unser Frühstück stehen wir in den Startlöchern und sind gespannt auf unser Publikum hier in Wiesbaden.